Dommusik Hamburg > Sommerkonzerte 2004 > Wind im Dom
5. Konzert: 2. Juli 2004
| Johann Kuhnau (1660-1722) |
Biblische Sonate "Der Streit zwischen David und Goliath"
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| Eberhard Lauer (1956) | "Im Brunnen" - Monodie für Saxophon solo (UA) |
| Dominique Goris (1959) | Toccata für Marimbaphon solo |
| Eugène Bozza (1905-1991) | Aria für Saxophon und Orgel |
| Petr Eben (1929) |
Landschaften von Patmos
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| Eberhard Lauer | "Im Feuerofen" - Improvisation à trois für Saxophon, Marimbaphon und Orgel (UA) |
Frank Polter, Schlagzeug
Klaus Nagurski, Saxophon
Eberhard Lauer, Orgel
Das zentrale Werk des Abends ist Petr Ebens Zyklus "Landschaften von
Patmos" für Schlagzeug und Orgel. Eben ist ein Jubilar dieses
Jahres, er wird 75 Jahre alt und hat neben vielen Kompositionen
unterschiedlichster Gattungen und Besetzungen zum Repertoire der Orgelmusik
und der geistlichen Musik eine Fülle von bedeutenden Beiträgen
geliefert.
Der fünfteilige Zyklus nimmt Bezug auf Szenen der Apokalypse des
Johannes aus der Bibel. Die Apokalypse ist abgesetzt vom Bericht der vier
Evangelien und Corpus der Briefe und enthält eine Schau der Endzeit.
"Knecht Johannes", der uns nicht näher bekannt ist und nicht
mit dem Evangelisten verwechselt werden darf, hat diese Schrift der
Überlieferung nach auf der Insel Patmos verfasst und zur Zeit der
Christenverfolgung des Domitian an sieben Gemeinden in der damaligen
römischen Provinz Asien gerichtet. Das Buch knüpft an
jüdische Traditionen von Apokalypsen an. Es taucht in diesen Texten
eine Reihe von allegorischen Gestalten und Gegenständen auf, die die
Vision des himmlischen Jerusalem vorbereiten bzw. in ihr selbst
handeln.
Im Zentrum von Ebens Komposition steht der Tempel (3. Satz), der auch im
Buch des Johannes zentraler Schauplatz ist. In Apokalypse 4,2 ist er der
Ort, wo der Thron Gottes steht. Die Gestalten der Ältesten (Apokal.
4,4) und die Allegorie des Regenbogens (Apokal. 4,3) rahmen ihn ein. Die
initialen und finalen Sujets sind Tiergestalten: Adler und Pferde. Der Adler
(ein Symbol des Majestätischen) ist eines der Lebewesen, die den Thron
Gottes umstehen (Apokal. 4,7). Die Pferde hingegen treten in Apokalypse 6
als Boten der Endzeit auf. Eben entwickelt hier eine Vision vom Untergang
und der Neuerschaffung, vermittelt durch die gregorianischen Zitate des
"Dies Irae" und des "Victimae paschali laudes".
Johann Kuhnaus "Biblische Historien" sind Zeugnisse früher Programmmusik. Der Streit zwischen David und Goliath ist hinlänglich bekannt. Der Komponist gibt seine Absichten in den Untertiteln unverhüllt kund.
Die bezaubernden Stücke von Dominique Goris und Eugène Bozza fungieren als freie Interludien.
Hingegen sollen in den kleinen Erstaufführungen "Im Brunnen" und "Im Feuerofen" (letzere in einigen Teilen notiert, in anderen von den drei Akteuren in die besondere Akustik des Kirchenraumes improvisiert) Themen des Alten Testaments aufleuchten. In Gen. 35 sitzt Joseph in der Zisterne und erwartet dort sein neues Leben. In Dan. 3 finden wir, abgesehen von den dramatischen Begleitumständen, die den Holocaust vorwegzunehmen scheinen, eine der intensivsten Lobpreisungen Gottes in der gesamten Bibel.
Updated: $Date: 2004/07/03 09:06:28 $