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4. Konzert: 25. Juni 2004

Inferno-Fantasie

Programm

Dante Alighieri (1265-1321) Die göttliche Komödie, Die Hölle, Dritter Gesang
Max Reger (1873-1916) Sinfonische Fantasie und Fuge op. 57 (Inferno-Fantasie)
Dante Alighieri Die göttliche Komödie, Das Fegefeuer, Achtundzwanzigster Gesang
Franz Liszt (1811-1886) Dante (Transkription aus Teilen der Dante-Sinfonie für Orchester)
Dante Alighieri Die göttliche Komödie, Das Paradies, Dreiunddreißigster Gesang
Louis Vierne (1870-1937) Adagio und Final aus der Sinfonie I op. 14

Wolfgang Kaven, Lesung
Eberhard Lauer, Orgel

Zum Geleit

Die Vorstellung vom Jenseits ist seit jeher Gegenstand von Religion, Philosophie und Kunst gewesen. Wir treffen sie schon in der Odyssee und der Aenaeis an. Für Dante war Vergils Dichtung mit ihrer Hadesfahrt von entscheidender Bedeutung für die Schaffung der Divina Commedia. Die Dreiteilung in Inferno, Purgatorio und Paradiso entspricht der Vorstellung vom Jenseits im ausgehenden Mittelalter.
Geführt von seinem Dichtervater Vergil begibt sich Dante in der Divina Commedia auf eine imaginäre Reise ins Jenseits. Auf dem Weg trifft er nahezu 600 Gestalten aus Historie und Mythologie, die gemäß ihrem diesseitigen Wandel im Jenseits der Läuterung bzw. der Schau Gottes harren. Abgesehen von dem eher oberflächlichen Aspekt, dass Gott, der nach Dantes fester Überzeugung nicht nur der Garant von Weltordnung und Moral ist, sondern einzig letztlich gerecht sein kann, die Seelen im Jenseits nach Maßgabe ihres diesseitigen Wandels bestraft oder belohnt, scheint die Kernidee der Divina Commedia vor allem in dem antiken wie christlichen Gedanken zu liegen, "dass dem Menschen ein geistiger Aufstieg bestimmt ist, ein Heil, dem er entgegengehen kann in tätiger Selbstverwandlung, erfüllt von der Überzeugung, dass die Vernunft mehr ist als die Sinne, die Seele mehr als der Leib, der Glaube mehr als das Wissen ... das Göttliche mehr als das Irdische."
Die Wirkung von Dantes Commedia auf das Musikschaffen ist durchaus begrenzt. Der Kosmopolit Franz Liszt hat sich intensiv mit diversen Sujets der italienischen Literatur jener Zeit (u. a. auch der Petrarcas und Rosas) beschäftigt und diese in seine Kompositionen einfließen lassen. Die Dante-Sinfonie handelt in ihrer Gesamtheit von allen drei Komponenten: Hölle, Fegefeuer und Paradies. Die verkürzte Orgeltranskription entstand zweifellos, um das religiös inspirierte Werk über die Orgel in den Bereich der Kirchenmusik im weiteren Sinne zu bringen. Nach einer Introduktion folgt eine klagend anhebende Fuge, die Teil des Purgatorio ist. Sie mündet in das Magnificat, das in der Orchesterfassung die Seelen der Erlösten vor dem Thron der Dreifaltigkeit anstimmen.
Max Regers Fantasie und Fuge op. 57 ist in ihrem ersten Teil inspiriert vom dritten Gesang aus dem Inferno: "Weh euch, verworfne Seelen, wehe! Nicht hoffet je zu sehn das Paradeis; hinüber bring ich euch zum andern Strande, in ewige Finsternis, in Glut und Eis." Reger zeigt sich als Mann des fin du siècle für die morbide dunkle Seite Dantes besonders empfänglich. Es handelt sich um die vielleicht modernste Komposition Regers, die die Tonalität gelegentlich fast aufzuheben scheint und den Hörer auch dynamisch an die Grenze führt.
Ganz im Gegensatz dazu steht die paradiesisch wohlgeordnete Formenwelt von Louis Vierne, mit dessen Musik ohne Dante-Bezug das Programm schließt.
Die von Wolfgang Kaven gelesenen Textpassagen aus Dantes Divina Commedia versuchen das Werk in seiner Dreiteiligkeit inhaltlich zu repräsentieren.


Updated: $Date: 2008/12/31 15:22:39 $